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Schulische Inklusion in Bayern

Die LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. ist mit aktuell 110 landesweit tätigen Mitglieds-verbänden die Dachorganisation der Selbsthilfe behinderter und chronisch kranker Menschen in Bayern. Eines unserer wichtigsten Ziele ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Die Bandbreite unserer Mitgliedsverbände versetzt uns in die Lage, die vielfältigen Perspektiven aller Behinderungsformen bündeln zu können und gegenüber Staat, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit zu vertreten. Mit unseren Verbandsstrukturen sind wir die demokratisch legitimierte maßgebliche Interessensvertretung behinderter und chronisch kranker Menschen in Bayern.
 
… die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden… (vgl. UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), Artikel 24)
 
Wir begrüßen es natürlich sehr, dass die Entwicklung eines inklusiv gestalteten Schulsystems weiterhin im Fokus der bayerischen Landespolitik steht. Aus Sicht der betroffenen Menschen mit Behinderungen muss jedoch nach wie vor darauf hingewiesen werden, dass der Freistaat Bayern die an den Menschenrechten orientierten Verpflichtungen der UN-BRK auch im Hinblick auf sein Bildungssystem ernsthafter und mit einem klaren Bekenntnis zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen umsetzen muss.
 
Die unmissverständlichen Empfehlungen welche der UN-Fachausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Rahmen der 1. Staatenprüfung der Bundesrepublik Deutschland im März 2015 formuliert hat, sprechen eine deutliche Sprache. Deutschland wird zur Abkehr von den Sonderwelten aufgefordert. Die Stichworte lauten: Deinstitutionalisierung und Hinwendung zur inklusiven Bildung. Im Lichte dieser Empfehlungen ist es unzureichend, wenn Bayern weiterhin das bestehende exklusive System sonderpädagogischer Förderung dem Grunde nach beibehalten möchte. Schule soll grundsätzlich auf das Leben vorbereiten. Exklusive Sonderwelten sind weit davon entfernt, die tatsächlichen Lebensrealitäten abzubilden und alltäglich notwendige Kompetenzen zu vermitteln, die in einer (vor allem nicht behinderten Gesellschaft) benötigt werden.
 
Gesetze müssen ausgehend vom Kind und seinem Anspruch aus einer Menschenrechtskonvention gedacht werden. Das BayEUG besagt, dass alle Schulen die Aufgabe haben, inklusiv zu unterrichten. So haben auch alle Regelschulen den Auftrag inklusive Bildung in ihrem Schulprofil zu verankern. Allerdings kann man erst von inklusiver Bildung sprechen, wenn jedes Kind die wohnortnahe Schule besuchen kann und dort die "angemessenen Vorkehrungen" vorfindet, die es braucht. Zu den angemessenen Vorkehrungen gehört z.B. auch die bedarfsgerechte persönliche Assistenz. Dabei ist darauf zu achten, dass das Prinzip der Bedarfsdeckung und das sozialrechtlich verankerte Wunsch- und Wahlrecht von Schülern mit Behinderung auch im Rahmen des Schulbesuchs gewährleistet ist. Ein wesentlicher Aspekt für inklusive Prozesse an Schulen ist somit auch die barrierefreie Gestaltung des Unterrichts, des Gebäudes und des schulischen Umfeldes. Inklusive Sozialisation endet natürlich nicht am Schultor. Inklusiv gestaltete Kinderbetreuungsangebote müssen ergänzend zur Schule bereitgestellt werden.
 
Inklusive Bildung meint auch immer die Einbeziehung des gesamten Bildungswesens. Für eine gelingende Inklusion muss immer auch ein entsprechendes Bewusstsein vorhanden sein. Bei der Gestaltung des Lehrplans müssen folglich auch Aspekte berücksichtigt sein, welche die spezifischen Lebenswelten von Kindern mit Behinderungen umfassen. Nur so kann langfristig dem defizitorientierten und retardierten gesellschaftlichen Bild von Behinderung entgegengewirkt werden.
 
Inklusive Prozesse zu befördern bedeutet z.B. auch verstärkt Lehrer/innen mit Be-hinderungen einzustellen um zu vermitteln, dass Behinderung ein normaler Bestandteil des menschlichen Lebens ist.
 
Die Gestaltung von Prüfungen und Prüfungssituationen müssen sich an den individuellen Fähigkeiten und Lernfortschritten der Schülerinnen und Schüler orientieren. Das Bildungssystem muss auf die zunehmende Heterogenität von Schülerinnen und Schülern reagieren, Vielfalt als Chance nutzen und allen Menschen bestmögliche Bildung ohne jede Form der Diskriminierung ermöglichen.
 
Um den Prozess in Richtung Inklusion zielorientiert zu begleiten, muss regelmäßig ein Austausch zur Gestaltung des Unterrichts, der Prüfungsmethoden sowie von Praxiserfahrungen zwischen Lehrerverbänden, Selbsthilfeverbänden behinderter und chronisch kranker Menschen, Elternverbänden, organisierter Schülerschaft usw. stattfinden.
 
Inklusionsprozesse zu fördern bedeutet, vorrangig die Institutionen den Eigenheiten und Fähigkeiten der Menschen anzupassen und nicht umgekehrt. Für die Weiterentwicklung von Schulen und ihrer Unterrichtsformen bedeutet das eine fundamentale Kehrtwende.
 
 
München, 7. Juni 2018
 

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