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4. Mai 2005 – Europaweiter Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf dem Münchner Marienplatz

Reinhard Kirchner

 

Die LAGH Selbsthilfe Bayern e.V. führt seit nunmehr über 10 Jahren zusammen mit den örtlichen Selbsthilfe initiativen der Landeshauptstadt München den Europaweiter Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf dem Münchener Marienplatz durch. Mittlerweile ist der Andrang von Initiativen und örtlichen Selbsthilfeorganisationen, dies sich an unserer Veranstaltung beteiligen wollen so groß, dass nicht mehr alle Initiativen einen Standplatz erhalten können.

Der diesjährige Europaweite Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 4. Mai 2005 stand unter dem

Motto: 2 Jahre Bayerisches Gleichstellungsgesetz – Viele Worte – Wenig Taten?

Die LAGH kann mit Stolz behaupten, dass es ihrer Initiative und ihren Vorschlägen (Der erste Vorschlag für eine Bayerisches Gleichstellungsgesetz kam von der LAGH) zu verdanken ist, dass vor 2 Jahren ein Bayerisches Gleichstellungsgesetz in Kraft getreten ist.

Allerdings hat sich seitdem nicht mehr viel bewegt. Einziger Lichtblick war die im April dieses Jahres von der Sozialministerin Christa Stewens einberufene erste Sitzung des Bayerischen Landesbehindertenrates. Die LAGH ist in diesem Gremium mit dem Frauennetzwerk mit 5 der 17 stimmberechtigten Mitglieder vertreten. Zusammen mit den weiteren 4 Vertretern der Sozialverbände hat die „SEBSTHILFE“ die Mehrheit mit 9 Sitzen in diesem Landesbehindertenrat. Wir sind hoffnungsvoll dass von diesem Gremium künftig die wichtigen Impulse zur Umsetzung des Bayerischen Gleichstellungsgesetzes ausgehen werden.

Der von der LAGH jährlich organisierte Europaweite Protesttag für die „Gleichstellung von Menschen mit chronischer Krankheit und Behinderung“ in München, ist sicher die größte Veranstaltung dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland. Mit zahlreichen Informationsständen, einem Behindertenparcour und im Zentralbereich mit einer Bühne wird der gesamte Marienplatz ausgefüllt.

Die Öffentlichkeit erhält durch diese Veranstaltung Gelegenheit, sich über die unterschiedlichen Probleme chronisch kranker und behinderter Menschen an Ständen zu informieren und durch die künstlerischen und musikalischen Aktionen von Menschen mit chronischer Krankheit und Behinderung auf der Bühne soll ein fröhliches ungezwungenes Klima zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch entstehen.

Ein Höhepunkt des diesjährigen Protesttages war, der Besuch von Frau Nina Ruge, Schirmfrau unseres Netzwerkes von und für Frauen und Mädchen mit Behinderung. In einer Talkrunde mit Politikern aus allen Fraktionen des Bayerischen Landtags und dem Behindertenbeauftragten der Landeshauptstadt München wurden Möglichkeiten diskutiert, wie die Gleichstellung in Bayern vorangetrieben werden kann.

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass möglichst bald die Rechtsverordnungen zum Abbau von Barrieren im Land und in den Gemeinden und Städten in Kraft treten müssen.

Ein weiter Höhepunkt des diesjährigen Protesttages war die von der Aktion Sonnenschein, organisierte Menschenkette mit mehreren Betroffenen und Nichtbetroffenen Schülern der Montisorischule des Kinderzentrums in München. rund um den Münchener Marienplatz.

Ein Rollstuhlparcour bot allen Münchnern Bürgen die Gelegenheit, sich in einen sich in einem Rollstuhl fortzubewegen. Anstelle des geplanten Demonstrationszuges mit 300 bis 500 Teilnehmern vom Marienplatz zum Odeonsplatz konnte wegen des schlechten Wetters am Nachmittag nur eine Kundgebung vor der Bühne stattfinden

Auch das musikalische Rahmenprogramm konnte sich auch sehen lassen: Der bekannte Saxophonist und Klarinettist Klaus Kreuzeder, die Blinde Musiker gGmbH die Rolligang, und die Rockgruppe „blue Frogs“ der Lebenshilfe Fürth begeisterten das Publikum.

Frau Kappl, Moderatorin des Bayerischen Rundfunk führte mit viel Engagement und entsprechender Professionalität durch das Tagesprogramm. Als kleine Einlagen gab es vor der Bühne Rollstuhlbasketball und „Sitztanz“ von einer Gruppe von Menschen mit Behinderung

Kann man mit einer solchen Veranstaltung etwas erreichen? Kann man das Interesse der Bevölkerung für die Probleme behinderter Menschen durch eine solche Veranstaltung wecken, bzw. das Bewusstsein schärfen?

Wir müssen aus jetzt über zehnjähriger Erfahrung feststellen, dass trotz der zentralen Lage unserer Veranstaltung auf dem Münchener Marienplatz die Öffentlichkeit - möglicherweise durch die Ansammlung der behinderten Menschen - etwas verunsichert wirkt und nur zögerlich sich an unserer Veranstaltung beteiligt.

Möglicherweise muss man erst in irgendeiner Form betroffen sein, um sich mit dem Thema chronischer Krankheit und Behinderung auseinanderzusetzen.

Aber es zeigt sich zunehmend, dass die Begegnungen zwischen Nichtbehinderten und behinderten Menschen immer unverkrampfter werden und jedes Jahr mehr und mehr Interessierte dem bunten Treiben auf dem Marienplatz zusehen. Vor Jahren gab es noch Störer und Menschen, die sich gegenüber behinderten Menschen diskriminierend und negativ geäußert haben.

Ob sich das Bewusstsein der Bevölkerung durch eine solche Veranstaltung allein schon verändert, lässt sich nicht genau feststellen. Unbestritten ist aber, dass die politische Wirksamkeit einer solchen Veranstaltung, insbesondere durch die Berichterstattung in den Medien (Zeitungen, Rundfunk Fernsehen) nachzuweisen ist.

Das Selbsthilfeengagement von Menschen mit chronischer Krankheit und Behinderung wird zunehmend wahrgenommen und auch Politiker aus der Landes- und Kommunalpolitik sind gerne bereit auch in der Öffentlichkeit mit uns zu diskutieren.

Ein weiterer wichtiger Effekt stellt sich aber regelmäßig ein, der möglicherweise im Zusammenhang mit dem Erfolg einer solchen Veranstaltung in der Tragweite seiner Bedeutung gar nicht erkannt wird:

Viele betroffene chronisch kranke und behinderte Menschen und auch Teilnehmer unserer Veranstaltung bringen zum Ausdruck, dass dieser Tag einmalig die Möglichkeit bietet, sich als betroffener chronisch kranker und behinderter Mensch ohne Stress in der Geborgenheit der gemeinsamen Solidarität in der Öffentlichkeit bewegen zu können. Vielleicht schafft gerade dieses Gefühl der Gemeinsamkeit die Voraussetzung für den leichten und ungezwungenen Kontakt mit der Bevölkerung.

Eines ist schon heute sicher, am 5. Mai 2005 werden wir wieder auf dem Münchner Marienplatz sein.

Reinhard Kirchner

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