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Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen im Bayerischen Landesmedienrat und Landesrundfunkrat durch die LAG Selbsthilfe Bayern e.V.

Autoren: Dr. Josef Pettinger, Christian Seuß und Thomas Bannasch

 
Die LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. ist die Dachorganisation von derzeit 110 Behindertenselbsthilfeverbänden in Bayern. Ihre Basis bilden die von betroffenen Menschen oder ihren Angehörigen gegründeten fachspezifischen Selbsthilfeverbände behinderter und chronisch kranker Menschen. Aufgrund der Kompetenz ihrer betroffenen Mitglieder richtet sich die LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. an den tatsächlichen Bedürfnissen von behinderten Menschen aus.
 
Im Sinne des Grundsatzes „Nicht ohne uns - über uns“ ist die LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. die Interessenvertretung behinderter und/oder chronisch kranker Menschen und deren Angehörigen gegenüber Staat, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit und somit auch die kompetente Ansprechpartnerin für Fragen rund um das Thema Behinderung. Sie bündelt die unterschiedlichen und speziellen Interessen ihrer Mitglieder und bietet auch kleinen Selbsthilfeverbänden die Chance, ihre politischen Ziele durchzusetzen. Eine der wichtigsten Aufgaben der LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. ist die gesamtgesellschaftliche Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention voranzutreiben. Nicht zuletzt seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland wird besonders deutlich, dass Behinderung grundsätzlich als Querschnittsthema verstanden werden muss, welches keinesfalls isoliert im Sozial- oder Gesundheitsressort betrachtet werden kann.
 

Das Bild behinderte Menschen in den Medien

 
Grundsätzlich ist die Eigenschaft „Behindert“ gesellschaftlich stigmatisiert. Verschiedene alltägliche Beispiele machen das deutlich:
 
 
Erstmals im Jahr 1970 wurden behinderte Menschen als Mitbürger bezeichnet, vorher und zum Teil noch bis heute ist die Rede von Hilfeempfängern.
Oftmals ist die mediale Darstellung von behinderten Menschen extrem plakativ. Menschen mit Behinderungen werden entweder als „bemitleidenswerte armselige Kreaturen“ oder als „Helden, die ihr schweres Schicksal meisterhaft bewältigen“, dargestellt. Dazwischen gibt es kaum etwas. Die Bewertung basiert also nie auf durchschnittlichen Lebensrealitäten, sondern auf Extremen, die Behinderung in ein virtuelles Licht rücken.
 
Wenn zum Leben behinderter Menschen Beiträge im Fernsehen ausgestrahlt werden, dann sind es häufig Sensations-Berichterstattungen. So z. B. Andi Holzer, der blinde Bergsteiger aus Österreich. Unfassbar, was er ohne Sehen kann!
 
Erfreulicherweise hat sich die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den letzten Jahren durchaus gebessert. Zwar ist das Thema Behinderung sicherlich noch lange nicht im mainstream der Programmgestaltung angekommen, jedoch werden immer mehr spezifische Sendungen und Angebote bereitgestellt. Beispiele wären:
 
 
Interessant ist zu beobachten, dass sich die Berichterstattung über Politikerinnen und Politiker mit Behinderungen durchaus unterscheidet. Diese „wohltuende“ Berichterstattung, bei der der Mensch mit seinen Fähigkeiten im Vordergrund steht und die Behinderung eine untergeordnete Bedeutung hat, könnte als gutes Vorbild genutzt werden. Beispiele wären etwa die Berichterstattung über die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer - die Politikerin mit MS-Erkrankung oder den ehemaligen Finanzminister Schäuble.
 

Beteiligung der LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. im Landesrundfunkrat und im Landesmedienrat

 
Das zum 1. Januar 2017 novellierte Bayerische Rundfunkgesetz und das zum 1. Januar 2017 novellierte Bayerische Mediengesetz sehen vor, dass unter anderem auch die LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. eine Vertreterin/einen Vertreter in den Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks und im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) entsenden kann. Sowohl der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks als auch der Medienrat der BLM wachen darüber, dass der Bayerische Rundfunk und der privat finanzierte Rundfunk ihre Aufgaben gemäß dem Gesetz erfüllen. Ihre Mitglieder sind unabhängig und den Interessen der Allgemeinheit auf dem Gebiet des Rundfunks verpflichtet.
 
Typische Aufgaben sind die Zulassung von Rundfunkanbietern, die Programmaufsicht und die Bearbeitung von Programmbeschwerden. Beide Gremien haben vor allem auch den Auftrag, die Offenheit des Zugangs zum Programm für verschiedene gesellschaftlich relevante Gruppen zu garantieren.
 
Die LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. verfolgt vor diesem Hintergrund schon viele Jahre das Ziel, den Einfluss auf die bayerische Medienlandschaft auszubauen, um damit auch das öffentliche Bild zum Thema „Behinderung“ positiv zu beeinflussen. Die Beteiligung der LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. im bayerischen Landesrundfunkrat und im bayerischen Medienrat seit 2017 ist somit ein nicht zu unterschätzender politischer Erfolg der LAG SELBSTHILFE Bayern e.V.
 

Die BLM

 
Die BLM beaufsichtigt die privaten Rundfunkangebote in Bayern. Interessant ist, dass in Bayern laut Verfassung privater Rundfunk nur in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft veranstaltet werden darf, d.h. de jure ist damit die BLM die Veranstalterin aller bayerischen Rundfunkprogramme (dazu gehören auch alle TV Angebote), die von privaten Anbietern verbreitet werden. Zu den Aufgaben gehört neben der grundsätzlichen Genehmigung, die Kontrolle von Programmangeboten privater Anbieter. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Einhaltung des Jugendschutzes und der Werbebestimmungen gelegt.
 
Sogenannte Spartenanbieter werden von der BLM auch finanziell unterstützt, insbesondere die Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien (abm).
Neben Präsident und Geschäftsführer ist der Medienrat eines der wesentlichen Organe der BLM.
 
Ein besonderes Augenmerk wird von Seiten der BLM auf pädagogische Medienarbeit gelegt. So wurde eine eigene Stiftung Medienpädagogik Bayern gegründet, die insbesondere durch Seminare und zahlreiche Veröffentlichungen aktiv ist. Unter anderem wurde auch eine Untersuchung über die Fernsehgewohnheiten von Menschen mit Behinderungen angeregt, um auch hier gezielt Angebote erstellen zu können.
 

Der Bayerische Rundfunk

 
Der Bayerische Rundfunk ist die Landesrundfunkanstalt im Freistaat Bayern. Als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ist sie der Allgemeinheit verpflichtet und hat das Recht der Selbstverwaltung. Das bedeutet, dass die staatliche Aufsicht auf eine beschränkte Rechtsaufsicht begrenzt sein soll.
 
Angesichts der veränderten Mediennutzung gab es im BR bereits 2012 den Entschluss, sich „trimedial“ zu strukturieren, d.h. Radio-, Fernsehen- und Onlineeinheiten besser zu vernetzen. Der BR versteht sich somit nicht mehr als reiner Hörfunk- und Fernsehsender, sondern als Anbieter von Audio- und Videoinhalten die auf allen Wegen verbreitet werden.
 

Die UN-Behindertenrechtskonvention als Grundlage für unsere Arbeit im Landesrundfunkrat und im Landesmedienrat

 
Die seit dem 26. März 2009 in Deutschland geltende UN-Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen nimmt in Artikel 8 (Bewusstseinsbildung) besonderen Bezug auf die Verantwortung der Medien. Wir unterstreichen die Forderung, dass in der gesamten Gesellschaft, einschließlich auf der Ebene der Familien, das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen geschärft werden muss. Im Zentrum sollte das Bewusstsein für die Fähigkeiten und den Beitrag von Menschen mit Behinderungen zur Gesellschaft stehen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wirksame Kampagnen zur Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit etabliert werden. Es ist Ziel, die Aufgeschlossenheit gegenüber den Rechten von Menschen mit Behinderungen zu erhöhen und eine positive Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen und ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein ihnen gegenüber zu fördern. Nicht zuletzt stehen hier die Arbeitswelt und das Bildungssystem besonders im Fokus. Gerade Kinder und Jugendliche, sowohl mit als auch ohne Behinderungen, müssen besonders als Zielgruppe wahrgenommen werden, da sich positive Erfahrungen in einer inklusiv gestalteten gemeinsamen Sozialisation natürlich auch positiv auf die Bildung von Vorurteilen und Ressentiments auswirken.
 

Unsere Vision für die Zukunft

 
In Zukunft berichten die Medien regelmäßig über das Leben von Menschen mit Behinderungen, überwiegend in allgemeinen Informationssendungen, aber auch in einem speziellen Magazin, das von Betroffenen redaktionell betreut und moderiert wird.
 
Sie zeichnen ein realistisches und differenziertes Bild über das Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen, welche nur eine von vielen Eigenschaften ist, die diesen Menschen charakterisieren.
 
Es wird zur Normalität, über das Leben von Menschen mit Behinderungen zu berichten.
 
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk leistet in seiner Trimedialität Aufklärungs- und Informationsarbeit. Es bleibt zu hoffen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seinem Programm künftig verstärkt diese Vorgaben umsetzen wird und die UN-Behindertenrechtskonvention mit Leben erfüllt und dass sich auch die privaten Sender dem Thema verstärkt annehmen. Besonders hervorzuheben ist hier die Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien e. V. mit ihren Fernsehformaten „Normal“, dem Talk „Krauthausen - Face to Face“ und dem Jugendmagazin „yoin“. Alles herausragende Beispiele für vorbildliche Berichterstattung zum Thema Behinderung.